Dinge, die man über die Debatte zur organisierten Sterbehilfe wissen sollte

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Derzeit verhandeln wir im Deutschen Bundestag über eine Regelung zur organisierten Sterbehilfe. Die Debatte zu diesem Thema wird seit einigen Wochen nicht nur bei uns, sondern auch in den Medien geführt. Es gibt hier keine Fraktionslinien und es werden in der Debatte mehrere Gruppenanträge von Abgeordneten, die sich aus allen Parteien zusammengefunden haben erwartet. Ich möchte hier kurz erklären, worum es genau geht:

Erste Frage: Was dürfen Ärzte?

Momentan entscheiden in erster Linie die Landesärztekammern über die Befugnisse von Ärzten. Die Frage darüber, ob ein Arzt seinem Patienten auf Verlangen einen „Cocktail“ zur Beendigung des eigenen Lebens zur Verfügung stellen darf (den dieser dann selber nimmt), wird von der zuständigen Landesärztekammer entschieden. Diese 17 Kammern sind in den vergangenen Jahren zu unterschiedlichen Entscheidungen bezüglich der Beihilfe zur Selbsttötung gekommen. Derzeit erlauben sieben Landesärztekammern diese Form der Sterbebegleitung, die anderen zehn haben sich dem Verbot der Bundesärztekammer angeschlossen.

Die durch den Bundestag behandelte Frage könnte auf eine Vereinheitlichung der Rechtslage zu diesem Thema abzielen.

Zweite Frage: Sterbehilfevereine erlauben oder verbieten?

Die zweite Frage ist die nach der Legalität von sogenannten Sterbehilfevereinen. Hier geht es in erster Linie darum, ob solche Vereine eine sinnvolle Alternative zur Betreuung durch einen Arzt sein können. Zum einen besteht die Frage nach der Qualifikation des hier eingesetzten Personals. Zum anderen ist es fraglich ob es moralisch und gesellschaftlich akzeptabel ist, mit dem Leid und dem Sterben anderer Geld zu verdienen.

In diesem Fall ist der Patient eben nicht einfach nur ein Patient mit einem ernsten Anliegen. Er ist gleichzeitig auch Kunde, sein Sterben Teil eines Geschäfts.

Worum es nicht geht:

Es geht nicht um die Frage der „Aktiven Sterbehilfe“, auch nicht der „Tötung auf Verlangen“. Das ist in Deutschland verboten und wird auch in dieser Debatte nicht verhandelt.

Soll die Politik sich raushalten?

Würde man in diesem Zusammenhang nichts regeln, würde man tatsächlich alle Möglichkeiten offen halten. Der Suizid würde zu einer Banalität werden. Sterben mit Wunschdatum würde zu einer plausiblen „Lösung“ für alle möglichen Probleme, jegliches Leid, Behinderung. Der „Tod auf Rezept“ könnte Menschen unter Druck setzen,  als „Erleichterung“ für Angehörige oder Gesellschaft „abzutreten“. Eine absolute Freistellung des „assistierten Suizids“ hätte automatisch Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft.

Worüber sich alle einig sind: Ausbau von Palliativmedizin und Hospizangebot

Während Suizid oder „Sterbebegleitung“ zum Glück ganz und gar kein Massenphänomen ist, betrifft folgendes Thema viel mehr Menschen: Die Medizin am Lebensende. Über den Ausbau von Palliativ- und Hospizangeboten soll den Menschen ihr Lebensende so erträglich wie möglich gemacht werden. Dazu gehört nicht nur eine umfangreiche Schmerztherapie sondern auch durch ganzheitliche Angebote den „Tagen mehr Leben zu schenken“. Dass hier mehr getan werden muss, darüber sind sich alle Parteien im Bundestag einig.

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